
Erdwärmepumpe vs. Luftwärmepumpe: Wann lohnt die Tiefenbohrung?
Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärmepumpen) nutzen die ganzjährig konstante Temperatur des Erdreichs (10–12 °C in Berliner Tiefen) als Wärmequelle. Das macht sie effizienter als Luft-Wasser-Modelle – und teurer in der Installation.
| Kriterium | Luft-Wasser | Erdwärme (Sole-Wasser) |
|---|---|---|
| JAZ Berliner Klima | 3,0–4,3 | 4,0–5,5 |
| Installationskosten | 25.000–45.000 € | 35.000–65.000 € |
| Außengerät nötig? | Ja (Lärm, Platz) | Nein |
| Genehmigung | Nein (meist) | Ja (Bohrung) |
| Saisonale Schwankung | Ja (JAZ sinkt im Winter) | Nein (stabile Quelle) |
| Wartungsaufwand | Jährlich | Alle 2–3 Jahre |
Fazit: Erdwärme lohnt bei großem Grundstück, Geräusch-Sensibilität gegenüber Nachbarn, langem Planungshorizont (>15 Jahre) und wenn die höhere JAZ die Mehrkosten der Bohrung amortisiert.
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Was kostet eine Erdwärmepumpe in Berlin?
Tiefenbohrung (Erdwärmekollektor)
Für ein typisches Berliner Einfamilienhaus (12–15 kW Heizlast) braucht man eine Doppelbohrsonde mit 2 × 80–120 m Tiefe oder eine Einzelbohrung mit 140–180 m.
| Position | Kostenrahmen |
|---|---|
| Bohrung (pro Meter) | 50–80 €/m |
| Doppelbohrsonde 2 × 100 m | 10.000–16.000 € |
| Verpressung, Rückbau Bohrplatz | 1.500–3.000 € |
| Solekreislauf, Füllung, Anschluss | 2.000–4.000 € |
Wärmepumpe und Inneninstallation
| Position | Kostenrahmen |
|---|---|
| Sole-Wasser-Wärmepumpe (10–15 kW) | 10.000–18.000 € |
| Pufferspeicher + Warmwasserspeicher | 2.000–4.500 € |
| Installation, hydraulischer Abgleich | 4.000–8.000 € |
| Gesamtprojekt | 30.000–50.000 € |
Zum Vergleich: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet für dasselbe Haus ca. 25.000–38.000 € – aber ohne Bohrkosten.
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Welche Genehmigungen brauche ich in Berlin?
Berlin
In Berlin ist die Tiefenbohrung für Erdwärmesonden genehmigungspflichtig:
1. Wasserrechtliche Erlaubnis (Senatsverwaltung für Umwelt)
Zuständig: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU).
Antrag über das Berliner Antragsverfahren für Erdwärmesonden.
Bearbeitungszeit: 4–12 Wochen.
Voraussetzungen:
Berliner Besonderheit: Teile Berlins liegen in Wasserschutzgebieten, wo Tiefenbohrungen nicht zulässig sind. Vorher die Karte unter mapserver.berlin.de prüfen oder uns fragen.
Brandenburg
In Brandenburg gilt das Brandenburgische Wassergesetz:
Empfehlung: Wir koordinieren die Genehmigung für Sie – das ist Teil unserer Planungsleistung.
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Flächenkollektoren: die Alternative zur Bohrung
Als Alternative zur Tiefenbohrung gibt es horizontale Flächenkollektoren: Rohrleitungen werden ca. 1,0–1,5 m tief im Garten verlegt.
Vorteile:
Nachteile:
Kosten Flächenkollektor: 5.000–9.000 € (inkl. Aushub, Rohr, Auffüllen) – deutlich günstiger als Tiefenbohrung.
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Förderung Erdwärmepumpe 2026
Erdwärmepumpen werden genauso gefördert wie Luft-Wasser-Wärmepumpen – sie gelten als Wärmepumpe im Sinne der BEG:
| Bonus | Betrag |
|---|---|
| Grundförderung | 30 % |
| Klimageschwindigkeitsbonus (Ölheizungstausch) | + 20 % |
| Einkommensbonus (≤ 40.000 € zu versteuerndes Einkommen) | + 30 % |
| Maximal | 70 % auf 30.000 € → max. 21.000 € |
Besonderheit Erdwärme: Die Bohrkosten sind Teil der förderfähigen Gesamtkosten (bis 30.000 € Kostenbemessungsgrundlage). Da Erdwärmeprojekte oft über 30.000 € liegen, erreicht man die Obergrenze schneller – es bleibt ein nicht förderfähiger Rest.
Beispielrechnung:
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Wann rechnet sich die Erdwärmepumpe gegenüber Luftwärmepumpe?
Die Mehrkosten der Erdwärme (Bohrung: ~10.000–16.000 €) amortisieren sich durch die höhere JAZ:
Bei 150 m² Haus, 15.000 kWh Wärmebedarf/Jahr:
Amortisation der Mehrkosten: 12.000 € Mehrkosten ÷ 267 €/Jahr = ca. 45 Jahre → ohne Förderung kaum amortisierbar.
Mit Förderung (Bohrkosten mitgefördert) und bei sehr geräuschempfindlicher Lage oder Hochleistungsanspruch (JAZ > 5) wird die Erdwärmepumpe interessanter.
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Fazit: Wann lohnt die Erdwärmepumpe in Berlin?
Ja, wenn:
Eher Luftwärmepumpe, wenn:
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Weiterführende Ratgeber
Praxis-Check: Was wir vor einer Empfehlung prüfen
Bei Heizungsfragen reicht eine allgemeine Antwort selten aus. Entscheidend sind Gebäudezustand, Heizflächen, bisherige Verbrauchswerte, Platz für Technik, Schallschutz, Elektroanschluss, Förderfähigkeit und die Frage, wie das Haus tatsächlich genutzt wird. Deshalb trennen wir im ersten Schritt immer zwischen einer groben Orientierung und einer belastbaren Projektplanung.
Für Eigentümer in Berlin und Potsdam bedeutet das: Eine Wärmepumpe kann sehr sinnvoll sein, muss aber zur Vorlauftemperatur und zur Hydraulik passen. Eine Gastherme kann bei Wartung oder Austausch kurzfristig wirtschaftlich sein, sollte aber gegen CO₂-Kosten, GEG-Vorgaben und spätere Modernisierung geplant werden. Beim hydraulischen Abgleich zählen nicht nur Ventile, sondern auch Volumenstrom, Pumpeneinstellung und Dokumentation.
Vor einem Angebot sammeln wir die wichtigsten Eckdaten strukturiert: Wohnfläche, Baujahr, Dämmstandard, vorhandene Heizkörper, Warmwasserbereitung, bisherige Energieverbräuche und gewünschter Zeithorizont. Daraus entsteht zuerst eine Preisschätzung. Für die finale Auslegung folgen technische Prüfungen wie Heizlastberechnung, Hydraulik-Check und eine Abstimmung der Förderunterlagen.
Wichtig ist auch die Abgrenzung: Dieser Ratgeber richtet sich an Eigentümer und Hausverwaltungen, die eine fundierte erste Entscheidung vorbereiten möchten. Er ersetzt keine Vor-Ort-Prüfung, hilft aber, typische Fehler früh zu vermeiden: zu kleine Heizflächen, falsche Leistungsgröße, unklare Förderreihenfolge, fehlende Dokumentation oder eine Anlage, die später nur mit hoher Temperatur effizient wirken soll.
Wenn Sie bereits Angebote vergleichen, achten Sie nicht nur auf den Gesamtpreis. Prüfen Sie, ob Nebenarbeiten, Elektro, Fundament, Kondensat, Speicher, Demontage, hydraulischer Abgleich, Einweisung und Förderunterlagen enthalten sind. Ein transparentes Angebot beschreibt Leistung, Grenzen und Annahmen klar. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob ein Projekt im Alltag stressfrei bleibt.
Nächster Schritt: Lassen Sie sich persönlich beraten
Unsere Techniker beraten Sie vor Ort – persönlich, unverbindlich und mit festen Ansprechpartnern.
