
Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe – die kurze Antwort
Für ein typisches Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche und einem Jahreswärmebedarf von 15.000 kWh:
| JAZ | Stromverbrauch/Jahr | Kosten bei 0,30 €/kWh |
|---|---|---|
| 2,5 | 6.000 kWh | 1.800 € |
| 3,0 | 5.000 kWh | 1.500 € |
| 3,5 | 4.300 kWh | 1.290 € |
| 4,0 | 3.750 kWh | 1.125 € |
| 4,5 | 3.330 kWh | 1.000 € |
Zum Vergleich: Eine Gasheizung (90 % Wirkungsgrad) würde bei 15.000 kWh Wärmebedarf ca. 16.700 kWh Gas benötigen. Bei 0,10 €/kWh Gaspreis = 1.670 €/Jahr – ähnlich wie die Wärmepumpe mit JAZ 3,0. Bei steigenden CO₂-Abgaben (2035: 65 €/t) wird Gas teurer, Strom durch erneuerbare Energien günstiger.
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Berechnung: Formel für den Stromverbrauch
Stromverbrauch (kWh) = Jahreswärmebedarf (kWh) ÷ JAZ
Den Jahreswärmebedarf erhalten Sie aus der Heizlastberechnung oder als Faustregel:
| Gebäudetyp | Spezifischer Wärmebedarf | Jahreswärmebedarf bei 150 m² |
|---|---|---|
| Neubau (KfW 40) | 30–50 kWh/m²a | 4.500–7.500 kWh |
| Sanierter Altbau | 60–100 kWh/m²a | 9.000–15.000 kWh |
| Unsanierter Altbau | 120–200 kWh/m²a | 18.000–30.000 kWh |
Beispielrechnung Berliner Altbau (teilsaniert), 150 m²:
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Was die JAZ – und damit den Stromverbrauch – beeinflusst
1. Vorlauftemperatur des Heizsystems
Die Vorlauftemperatur ist der größte Einzelfaktor. Jede 5 °C höhere Vorlauftemperatur senkt die JAZ um ca. 10–15 %:
| Vorlauf | JAZ-Effekt | Empfehlung |
|---|---|---|
| 35 °C (Fußbodenheizung) | optimal | Neubau, sanierter Bestand |
| 45 °C (Niedertemp.-HK) | gut | Sanierter Altbau mit neuen Heizkörpern |
| 55 °C (ältere HK) | noch wirtschaftlich | Altbau nach Heizkörpercheck |
| 65 °C + | schlechte Wirtschaftlichkeit | Hochtemperatur-WP oder Umbau nötig |
2. Außentemperatur (bei Luft-WP)
Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten bei −10 °C schlechter als bei +10 °C. An den kältesten 5 % der Heiztage (in Berlin oft ≤ −5 °C) sinkt die JAZ auf 2,0–2,5 – dieser Effekt ist jedoch gering, da diese Stunden wenig Anteil am Jahresverbrauch haben.
3. Warmwasserbereitung
Warmwasser auf 55 °C erfordert höhere Temperaturen als die Heizung und senkt die JAZ. Tipp: Warmwasser tagsüber oder mit PV-Überschuss aufheizen, Temperaturspreizung nutzen.
4. Hydraulischer Abgleich
Ohne hydraulischen Abgleich läuft die Wärmepumpe häufig im Taktbetrieb (kurze Ein-Aus-Zyklen). Das erhöht Verschleiß und senkt die JAZ um bis zu 15 %. Ein korrekt eingestelltes System läuft gleichmäßig auf niedriger Stufe – das ist der Auslegungsoptimalfall.
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Wärmepumpenstrom-Tarif: So sparen Sie
Netzbetreiber müssen Wärmepumpen-Kunden einen günstigeren Netz-Sondertarif anbieten (§ 14a EnWG). Der Wärmepumpen-Tarif ist typischerweise 2–5 Cent/kWh günstiger als der Haushaltsstrom.
Voraussetzung: Eigener Zähler für die Wärmepumpe (Unterzähler). Die Kosten dafür: ca. 150–300 € einmalig.
Beispiel Berlin 2026: Haushaltsstrom 0,31 €/kWh, Wärmepumpenstrom 0,27 €/kWh. Bei 5.000 kWh Jahresverbrauch: 200 € Ersparnis/Jahr – Unterzähler amortisiert sich in 1–2 Jahren.
Kombination mit PV-Anlage: Wenn PV-Überschuss die Wärmepumpe betreibt, sinken die effektiven Stromkosten auf die Eigenverbrauchskosten (ca. 0,08–0,12 €/kWh). Viele moderne Wärmepumpen (Vaillant myVAILLANT, Lambda) unterstützen Smart-Grid-Signale für PV-Einbindung.
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Stromverbrauch nach Gebäudegröße – Übersicht
| Wohnfläche | Wärmebedarf saniert | Stromverbrauch (JAZ 3,2) | Jahreskosten (0,28 €) |
|---|---|---|---|
| 100 m² | 8.000 kWh | 2.500 kWh | 700 € |
| 150 m² | 12.000 kWh | 3.750 kWh | 1.050 € |
| 200 m² | 16.000 kWh | 5.000 kWh | 1.400 € |
| 250 m² | 20.000 kWh | 6.250 kWh | 1.750 € |
*Warmwasseranteil ca. 2.000–3.000 kWh/Jahr add-on (je nach Personenzahl)*
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5 Tipps zur Senkung des Stromverbrauchs
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Fazit
Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe ist beherrschbar – wenn das System richtig dimensioniert, eingestellt und hydraulisch abgeglichen ist. Als Mannhold Haustechnik legen wir jede Anlage auf optimale JAZ aus und nehmen den hydraulischen Abgleich als Standard-Bestandteil der Installation.
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Weiterführende Ratgeber
Praxis-Check: Was wir vor einer Empfehlung prüfen
Bei Heizungsfragen reicht eine allgemeine Antwort selten aus. Entscheidend sind Gebäudezustand, Heizflächen, bisherige Verbrauchswerte, Platz für Technik, Schallschutz, Elektroanschluss, Förderfähigkeit und die Frage, wie das Haus tatsächlich genutzt wird. Deshalb trennen wir im ersten Schritt immer zwischen einer groben Orientierung und einer belastbaren Projektplanung.
Für Eigentümer in Berlin und Potsdam bedeutet das: Eine Wärmepumpe kann sehr sinnvoll sein, muss aber zur Vorlauftemperatur und zur Hydraulik passen. Eine Gastherme kann bei Wartung oder Austausch kurzfristig wirtschaftlich sein, sollte aber gegen CO₂-Kosten, GEG-Vorgaben und spätere Modernisierung geplant werden. Beim hydraulischen Abgleich zählen nicht nur Ventile, sondern auch Volumenstrom, Pumpeneinstellung und Dokumentation.
Vor einem Angebot sammeln wir die wichtigsten Eckdaten strukturiert: Wohnfläche, Baujahr, Dämmstandard, vorhandene Heizkörper, Warmwasserbereitung, bisherige Energieverbräuche und gewünschter Zeithorizont. Daraus entsteht zuerst eine Preisschätzung. Für die finale Auslegung folgen technische Prüfungen wie Heizlastberechnung, Hydraulik-Check und eine Abstimmung der Förderunterlagen.
Wichtig ist auch die Abgrenzung: Dieser Ratgeber richtet sich an Eigentümer und Hausverwaltungen, die eine fundierte erste Entscheidung vorbereiten möchten. Er ersetzt keine Vor-Ort-Prüfung, hilft aber, typische Fehler früh zu vermeiden: zu kleine Heizflächen, falsche Leistungsgröße, unklare Förderreihenfolge, fehlende Dokumentation oder eine Anlage, die später nur mit hoher Temperatur effizient wirken soll.
Wenn Sie bereits Angebote vergleichen, achten Sie nicht nur auf den Gesamtpreis. Prüfen Sie, ob Nebenarbeiten, Elektro, Fundament, Kondensat, Speicher, Demontage, hydraulischer Abgleich, Einweisung und Förderunterlagen enthalten sind. Ein transparentes Angebot beschreibt Leistung, Grenzen und Annahmen klar. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob ein Projekt im Alltag stressfrei bleibt.
Nächster Schritt: Lassen Sie sich persönlich beraten
Unsere Techniker beraten Sie vor Ort – persönlich, unverbindlich und mit festen Ansprechpartnern.
