
Das Grundprinzip: Wärme aus der Umgebung
Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme – sie verschiebt sie. Sie entzieht der Umgebung (Luft, Erdreich oder Grundwasser) Wärmeenergie und hebt diese auf ein nutzbares Temperaturniveau an. Dafür braucht sie elektrischen Strom – aber deutlich weniger, als die abgegebene Wärme entspricht.
Das klingt wie ein Perpetuum Mobile, ist aber Physik: In Luft, Erdreich und Wasser steckt selbst bei −10 °C noch erhebliche Wärmeenergie. Die Wärmepumpe nutzt den Kältemittelkreislauf, um diese Energie nutzbar zu machen.
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Der Kältemittelkreislauf – 4 Schritte
| Schritt | Bauteil | Was passiert |
|---|---|---|
| 1. Verdampfen | Verdampfer | Kältemittel (−20 bis 0 °C) nimmt Umgebungswärme auf und verdampft |
| 2. Verdichten | Kompressor | Dampf wird komprimiert → Temperatur steigt auf 60–80 °C |
| 3. Kondensieren | Verflüssiger (Wärmetauscher) | Heißer Dampf gibt Wärme ans Heizwasser ab und wird wieder flüssig |
| 4. Entspannen | Expansionsventil | Druck sinkt → Kältemittel kühlt ab, Kreislauf beginnt von vorn |
Vergleich: Kühlschrank rückwärts. Ein Kühlschrank entzieht dem Innenraum Wärme und gibt sie an die Rückseite ab – die Wärmepumpe macht dasselbe, nur gezielt für die Heizung.
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Die drei Wärmequellen
Luft-Wasser-Wärmepumpe
Die häufigste Variante in Deutschland (ca. 85 % aller Neuinstallationen). Sie entnimmt Wärme aus der Außenluft.
Vorteile: Günstigste Installation (kein Tiefbau), flexibel aufstellbar, breite Modellauswahl.
Nachteile: Effizienz sinkt bei sehr kalten Außentemperaturen (unter −10 °C); Betriebsgeräusch der Außeneinheit.
Typische JAZ: 2,8–4,2 je nach Standort und Vorlauftemperatur.
Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme)
Entzieht Wärme dem Erdreich über Erdkollektoren (horizontale Rohre, 1–1,5 m Tiefe) oder Erdsonden (Tiefenbohrung, 80–150 m).
Vorteile: Gleichmäßige Temperatur im Erdreich (8–12 °C ganzjährig) → stabile hohe Effizienz auch im Winter.
Nachteile: Höhere Installationskosten, Bohrung in vielen Bundesländern genehmigungspflichtig.
Typische JAZ: 3,8–5,0.
Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser)
Nutzt Grundwasser (10–12 °C konstant) als Wärmequelle. Höchste Effizienz, aber starke Standortabhängigkeit.
Vorteile: Sehr hohe JAZ (4,5–6,0), gleichmäßige Quelle.
Nachteile: Brunnengenehmigung erforderlich, Grundwasserqualität muss geprüft werden, nur an geeigneten Standorten möglich.
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Jahresarbeitszahl (JAZ) – die wichtigste Kennzahl
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschreibt, wie effizient eine Wärmepumpe über ein ganzes Jahr arbeitet:
JAZ = abgegebene Wärmeenergie (kWh) ÷ eingesetzte elektrische Energie (kWh)
| JAZ | Bedeutung | Einsparpotenzial ggü. Gas |
|---|---|---|
| 2,5 | Mindeststandard (gilt als Grenze zur Wirtschaftlichkeit) | gering |
| 3,0 | Gut | ca. 40 % bei aktuellem Gaspreisvergleich |
| 3,5 | Sehr gut | ca. 50 % |
| 4,0 + | Exzellent (oft Erdwärme oder Neubau) | ca. 55–60 % |
Was die JAZ beeinflusst:
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Monovalent, bivalent, hybrid – was bedeutet das?
Monovalenter Betrieb: Die Wärmepumpe deckt den gesamten Heizbedarf alleine ab – auch an den kältesten Tagen. Standard bei modernen Luft-Wasser-Systemen mit entsprechender Auslegung.
Bivalenter Betrieb: Zusätzlich gibt es einen zweiten Wärmeerzeuger (Heizstab oder alte Gastherme als Notfallheizung), der bei sehr niedrigen Außentemperaturen unterstützt. Typisch bei Altbausanierungen, wo die WP für den Großteil der Heizzeit ausgelegt ist.
Hybridanlage: Wärmepumpe und Gastherme arbeiten intelligent zusammen. Die WP heizt, wenn der Strom günstig ist; die Gastherme übernimmt bei Kälteeinbrüchen. Erlaubt nach GEG 2024 als Übergangslösung.
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Wärmepumpe und Warmwasser
Moderne Wärmepumpen erzeugen auch Warmwasser. Dabei gibt es zwei Wege:
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Welche Wärmepumpe für Ihr Haus?
| Gebäudetyp | Empfehlung |
|---|---|
| Neubau mit Fußbodenheizung | Luft-Wasser-WP, ggf. Sole-Wasser für max. Effizienz |
| Sanierter Altbau (VT ≤ 55 °C) | Luft-Wasser-WP, hydraulischer Abgleich empfohlen |
| Altbau unsaniert (VT > 60 °C) | Hochtemperatur-WP oder Hybridanlage |
| Großes Grundstück, Erdreich | Sole-Wasser-WP (höchste Effizienz) |
| Schlechte Grundstückslage | Kompakte Innen-WP mit Luftkanälen |
Tipp für Berlin: In dicht bebauten Lagen (Schöneberg, Kreuzberg, Charlottenburg) ist der Aufstellort der Außeneinheit oft die größte Herausforderung – Schallschutz und Abstandsregeln beachten. Wir beraten Sie vor Ort.
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Betrieb, Wartung und Lebensdauer
Lebensdauer: Moderne Wärmepumpen halten 15–25 Jahre. Der Kompressor ist das zentrale Verschleißteil.
Wartungsintervalle:
Betriebskosten: Bei JAZ 3,5 und einem Strompreis von 0,30 €/kWh betragen die Heizkosten für ein 150 m² Haus ca. 900–1.200 €/Jahr – deutlich unter Gas bei aktuellem Preisniveau.
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Fazit: Wärmepumpe lohnt sich – bei richtiger Planung
Eine Wärmepumpe ist keine Universallösung, aber für die meisten Häuser in Deutschland die wirtschaftlich und ökologisch sinnvollste Heizform. Der Schlüssel ist die richtige Dimensionierung und Einbindung ins vorhandene Heizsystem.
Als Mannhold Haustechnik in Berlin beraten wir Sie kostenlos und herstellerneutral – von der ersten Frage bis zur Inbetriebnahme.
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Weiterführende Ratgeber
Praxis-Check: Was wir vor einer Empfehlung prüfen
Bei Heizungsfragen reicht eine allgemeine Antwort selten aus. Entscheidend sind Gebäudezustand, Heizflächen, bisherige Verbrauchswerte, Platz für Technik, Schallschutz, Elektroanschluss, Förderfähigkeit und die Frage, wie das Haus tatsächlich genutzt wird. Deshalb trennen wir im ersten Schritt immer zwischen einer groben Orientierung und einer belastbaren Projektplanung.
Für Eigentümer in Berlin und Potsdam bedeutet das: Eine Wärmepumpe kann sehr sinnvoll sein, muss aber zur Vorlauftemperatur und zur Hydraulik passen. Eine Gastherme kann bei Wartung oder Austausch kurzfristig wirtschaftlich sein, sollte aber gegen CO₂-Kosten, GEG-Vorgaben und spätere Modernisierung geplant werden. Beim hydraulischen Abgleich zählen nicht nur Ventile, sondern auch Volumenstrom, Pumpeneinstellung und Dokumentation.
Vor einem Angebot sammeln wir die wichtigsten Eckdaten strukturiert: Wohnfläche, Baujahr, Dämmstandard, vorhandene Heizkörper, Warmwasserbereitung, bisherige Energieverbräuche und gewünschter Zeithorizont. Daraus entsteht zuerst eine Preisschätzung. Für die finale Auslegung folgen technische Prüfungen wie Heizlastberechnung, Hydraulik-Check und eine Abstimmung der Förderunterlagen.
Wichtig ist auch die Abgrenzung: Dieser Ratgeber richtet sich an Eigentümer und Hausverwaltungen, die eine fundierte erste Entscheidung vorbereiten möchten. Er ersetzt keine Vor-Ort-Prüfung, hilft aber, typische Fehler früh zu vermeiden: zu kleine Heizflächen, falsche Leistungsgröße, unklare Förderreihenfolge, fehlende Dokumentation oder eine Anlage, die später nur mit hoher Temperatur effizient wirken soll.
Wenn Sie bereits Angebote vergleichen, achten Sie nicht nur auf den Gesamtpreis. Prüfen Sie, ob Nebenarbeiten, Elektro, Fundament, Kondensat, Speicher, Demontage, hydraulischer Abgleich, Einweisung und Förderunterlagen enthalten sind. Ein transparentes Angebot beschreibt Leistung, Grenzen und Annahmen klar. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob ein Projekt im Alltag stressfrei bleibt.
Nächster Schritt: Lassen Sie sich persönlich beraten
Unsere Techniker beraten Sie vor Ort – persönlich, unverbindlich und mit festen Ansprechpartnern.
